Eine Art Tagebuch
Heiratsantrag: 11.08.xxxx (Tag der Sonnenfinsterniss)
Heirat: 17.05.x+1
MS-Diagnose: 05.x+3
Geburt unseres Kindes 24.02.x+5
Kauf gemeinsames Eigenheim 09.x+5
Kauf einer Gehhilfe: 11.x+7
E.U.-Rentner: 01.03.x+8
Ende der Elternzeit: 01.03.x+8
Badumbau: 01.06. bis 01.07.x+9
Aufenthalt bei meinen Eltern: 25.05 – 28.06.x+9
Auszug meiner Frau aus Schlafzimmer: 29.06.x+9
Tag der Verkündung der Trennung: 04.07.x+9
Ich habe geheult wie ein Schloßhund. Gründe hat sie keine genannt. Sie müsse mal mit mir reden. Und sie wolle die Trennung. Sie sei noch so jung und habe das ganze Leben noch vor sich. “Trennung?” habe ich gefragt. “Ja, oder Scheidung, wenn Du das besser verstehst”. In ihrer unnachahmlichen Art. Und das schlimmste wisse ich noch garnicht. Sie habe einen Anderen. “Seit wann?” habe ich gefragt. Das laufe schon seit über sechs Monaten oder so, hat sie gesagt. “Bist Du schwanger?” habe ich gefragt. “Nein” hat sie gesagt und gelacht. Warum sie gelacht hat, weiß ich bis heute nicht. -Wir hatten seit langer Zeit keinen richtigen Sex mehr. Ich kenne viele Paare, die nach der Geburt eines Kindes jahrelang keinen Sex haben.- Gewaltfreie sexuelle Annäherung geht aber immer von zwei Seiten aus. Solange ich sie kenne, war sie eh nie eine von den Raketen.
“Du kennst ihn” sagte sie. Mir schossen viele Namen durch den Kopf, aber nach Abwägung mit gesundem Menschenverstand blieb niemand übrig. Dann tippte ich einfach so auf A#. Für mich völlig utopisch. Er 26, sie 34, ich 42. Er ist (war) ein “Freund der Familie”, mein direkter Arbeitskollege (ich hatte nur den Einen) und Arbeitskollege von ihr. Sie sagte: “Ja”.”Wenigstens kein Arschloch” sagte ich. Ich hatte eine hohe Meinung von ihm, die sich aber nach dem nächsten Gespräch mit ihm ganz auflöste. Was war A# nur für ein Mensch geworden. Er war seit 3 Jahren ein guter Freund der Familie. Eimal wöchentlich zum Kartenspielen bei uns daheim. Durch meine Krankheit war ich seit ca.2 Jahren auf Hilfe angewiesen.
Kurzes Gespräch mit A#: 15.07.x+9
A# ist mit seinen 26 Jahren (er könnte altersbedingt mein Sohn sein) technisch begabt. Auch sonst sehr aufgeweckt. Er beherscht die Computertechnologie, fährt PKW, wohnt allein (demnächst mit meinem Kind und meiner Exfrau), hatte noch nie (zumindest in den letzten sechs Jahren) eine Beziehung zum anderen Geschlecht. Am Arbeitsplatz haben wir uns gelegentlich über Beziehungen unterhalten. Er sagte, dass seine Grosseltern für ihn schon lange eine Partnerin suchen. (Ca. 20-23 Jahre alt, nationalität sekundär; jetzt hat er eine 34-jährige Deutsche).
Ich habe A#, meinen langjährigen Arbeitskollegen (5 Jahre), darauf angesprochen und gefragt, warum er mir kein Wort gesagt, keine Andeutung gemacht hat. Darüber, dass meine Ehe seitens meiner Frau und meines Verhaltens in Gefahr ist. Seine Antwort, wörtlich: “Ich stand vor der Wahl, entweder einen guten Kollegen zu verlieren oder die ### (meine Frau). Das war für mich keine Frage. Dann bin ich jetzt halt eben ein Arschloch”. (Anmerkung: Ich muss mich stark zurückhalten, um hier real zu bleiben. Er hat sich selbst so betitelt, nicht ich). Er hat es sich sehr einfach gemacht. Sich als “Freund” in eine Familie einschmeicheln, in der der Ehemann körperliche Gebrechen hat. Dann den passenden Augenblick abwarten und -schwupp- zuschlagen. Ich bin davon überzeugt, dass er in seinem Leben noch nie jemanden des anderen Geschlechts klassisch ‘erobert’ hat. So, wie es jeder normale Mensch in sener Pubertät durchlebt. Dazu fehlt ihm der Mut und das Rückgrat. Armes Schwein. Aber so hat er beides. Eine Frau (Sexpartner) und ein gesundes, kleines Kind. Das ganze ohne Anstrengung. Ohne Stress, ohne Angst, ohne schlaflose Nächte. Und ich, was habe ich? Nichts mehr. Der ganze Traum von Familie, Zusammen leben, Eigenheim, Weihnachten strahlende Augen meines Kindes, Zusammenhalt, gemeinsam durch Dick und Dünn, in guten wie in schlechten Tagen. Alles nur Geheuchel von meiner Frau. Die nie etwas gesagt hat, sondern im stillen für sich alles geplant hat. Er hat in den ganzen Jahren, die ich ihn kenne, sich noch NIE getraut, eine ihm unbekannte Frau anzusprechen. Das wird er auch nie machen. Er ist halt feige und ängstlich.
Mitteilung, dass sie auszieht: 10.08.x+9
Mein Kind freut sich schon auf den Umzug in die neue Wohnung. Meine Frau sagte mir, sie habe eine neue Wohnung in einem Ort in der der Nähe. Mein Kind würde dann in einen Ganztagskindergarten gehen-Ende der Information.
Im Gegensatz zu meiner Frau redet mein Kind wenigstens mit mir, seinem Vater. A# zieht auch in die neue Wohnung ein. Die Wohnung ist im ersten Stock, ohne Aufzug. Sinvoll, um einen Rollstuhlfahrer wie ich es bin von seinem Kind fern zu halten.
Urlaub Bulgarien (Kind, Frau, A#): 14.09 – 21.09.x+9
Heute ist mein Kind aus dem Urlaub zurückgekommen. Mit neuen Ohrringen von A#. Wir haben zusammen im großen Bett “getobt”, mit den Stofftieren. Da hat es mich dann zum ersten mal A# genannt. Eine schlimme Erfahrung für mich. Danke, Arschloch. Mein Kind kann ja nichts dazu. Es war ja eine Woche mit der Mama und A# in Bulgarien.
Typ meine Frau:
Sie wirkt auf andere sehr stark. Sie will und muss alles kontrolieren, kann anderen die Planung und Ausführung nicht überlassen. Deligieren fällt ihr schwer. Sie steht nicht gern im Mittelpunkt. Versteckt sich gern in der Masse.
Ihre größte Schwäche ist die Unfähigkeit zu verbalen Auseinandersetzungen. In Streitgesprächen gehen ihr sehr schnell die Argumente aus. Und dann passierte in unserer Beziehung immer folgendes: Sie steht auf und verlässt unter Gemurmel den Raum. Sobald sie Ihn verlassen hat, fängt sie an, das Gespräch in anderen Räumen mit extremer Lautstärke fortzusetzen. Ich sage dann immer: “Komm bitte zurück und rede mit mir. Schreien ist keine Lösung.” Ich glaube, diesen Aspekt hat sie sich seit der Geburt unsereres Kindes etwas verinnerlicht. Sie kann nicht argumentieren. Ohne Argumente fällt das auch schwer. Dann schreit sie lieber. Ohne Blickkontakt. Ihre Mutter und ihre Schwester sind genauso, vieleicht etwas (unwesentlich) gemäßigter. Wenn jemand persönlich mit mir spricht, möchte ich Blickkontakt haben. Deswegen mochte ich noch nie Beichstühle. Meine Frau (BMI 22-23) und ihre Schwester (BMI >30) sehen nicht aus wie Schwestern. Andere Menschen glauben nicht, daß beide Geschwister sind.
Auszug aus unserer Wohnung: 15.(03.)10.x+9
Nachdem ich ihr gesagt habe, dass ich ab Ende September in einer MS-Klinik bin, hat sie umdisponert. Sie sagte mir zwei Tage später, dass sie dann (während meiner Abwesenheit) umziehe. Sie nimmt natürlich unser Kind mit. Unser Kind möchte natürlich bei der Mama bleiben. So wie fast jedes vierjährige Kind. Das schmerzt nätürlich. Die Trennung von meiner Frau schmerzt auch, aber wesentlich weniger. Dafür ist die Art und Weise der Trennung, das monatelange (jahrelange) Schweigen verantwortlich. Anderen hat sie gesagt: “Ich kann es ihm wegen seiner Krankheit nicht sagen.” HaHaHa.
Die Zeit danach
In der Klinik (Anfang Oktober xxxx) hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Und ich habe wochenlang überlegt. Was soll ich machen? In der Nähe (10-50 km) meines Kindes bleiben, oder dahin (500 km entfernt) ziehen, wo Freunde, Verwandte und Menschen sind, die mir helfen? Ich habe den Rat anderer Menschen angenommen. Alle haben gesagt: “Sei egoistisch. Du mußt jetzt mal an dich denken.” Und das mache ich auch. Mein Kind hat es bei seiner Mutter gut. Meine Frau war und ist eine gute und fürsorgliche Mutter. Meinem Kind wird es an nichts mangeln. Ich habe ihm ein Handy mit Prepaidkarte gekauft. Da habe ich meine Telefonnummern mit Kurzwahltasten verknüpft. So kann es mich immer anrufen, falls ihm doch etwas fehlt. Und wenn mein Kind es will, wird es von meinen Freunden und Verwandten abgeholt und auch wieder zurückgebracht. Ganz sicher.
Verfasst von blaumann